Sexualisierte Gewalt, Ehrenmorde und Beziehungstaten sind nach wie vor große Problem, wie ein Fall aus der Türkei gerade wieder traurig-schauerlich beweist. Aber auch in Deutschland leiden nach wie vor viele Frauen unter Gewalt – oftmals auch in der eigenen Beziehung.

Ein besonders grausamer Fall von Gewalt gegenüber Frauen sorgt in der Türkei momentan für großes Aufsehen und Massenproteste: Die 27-jährige Studentin Pinar Gültekin ist das Opfer eines bestialischen Mordes geworden – verübt von ihrem Ex-Freund. Wie die Ermittler vermuten, hat Rachsucht ihn zu seiner Tat getrieben. Der 32-Jährige soll seine Ex-Freundin zunächst erwürgt haben, um ihre Leiche anschließend im Wald zu verbrennen. Als dieser Versuch jedoch scheiterte, wollte er die Leiche offenbar auf eine andere Weise loswerden und stopfte den leblosen Körper seiner Ex-Freundin in eine Mülltonne, um ihn anschließend mit Beton zu übergießen. Die Ermittler konnten dem jungen Mann jedoch auf die Schliche kommen und ihn festnehmen, nachdem er an einer Tankstelle dabei beobachtet worden war, wie er Benzin in Plastikflaschen abfüllte.

Landesweit sorgt diese abscheuliche Tat für Aufruhr: Allein in der Provinz Mugla sollen am Dienstag mehrere tausend Menschen, vorwiegend vor allem Frauen, auf die Straße gegangen sein, um gegen Gewalt gegen Frauen und für mehr Gleichberechtigung in der Gesellschaft zu demonstrieren. Der türkischen Zeitung Hürriyet zufolge ist Pinar Gültekin die 118. ermordete Frau in der Türkei in diesem Jahr. Besonders Ehrenmorde stellen in den stark konservativ-islamisch geprägten Teilen der Türkei ein großes Problem dar.

Der Hessische Landtagsabgeordnete Ismail Tipi, der selbst im türkischen Izmir geboren wurde, kämpft schon seit langem dafür, weltweit die Gewalt an Frauen und Mädchen zu beenden. Er sagte hierzu: „Diese besonders grausame Tat zeigt uns einmal mehr, dass wir noch entschiedener für die Durchsetzung und Verteidigung von Frauenrechten weltweit eintreten müssen. Das gilt auch für uns hier in Deutschland: Für das Jahr 2018 zählt das Bundeskriminalamt in Deutschland 122 Frauen, die von ihren Partnern oder Ex-Partnern ermordet wurden. Das bedeutet, jeden dritten Tag bringt ein (Ex-)Partner seine Frau um. Die Zahl der versuchten, aber nicht vollendeten Tötungen liegt um ein Vielfaches höher. Wir können uns also nicht entspannt zurücklehnen, sondern müssen weiter gegen Gewalt gegenüber Frauen und Mädchen kämpfen – hier in Deutschland und weltweit.“

Zugleich lobte Tipi die zahlreichen Angebote in Deutschland: „Mit Frauenhäusern, Präventionskursen und Soforthilfen bei Gewalterfahrungen sind wir in Deutschland gut aufgestellt. Dennoch gilt es, das Thema weiterhin in den Köpfen der Menschen präsent zu machen und zu halten sowie gerade auch die Aufklärung über Ehrenmorde weiter zu verstärken. Wenn wir unsere wachsame Zivilgesellschaft noch weiter stärken und Präventionsangebote machen, zugleich aber auch viele Frauen so stark machen können, dass sie offen über Gewalterfahrungen sprechen, dann haben wir bereits einen großen Schritt geleistet.“

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