Ismail Tipi kritisiert türkischen Minister für seine Begegnung mit Salafisten
13.05.2013 - Welt
Themengebiet: Extremismus, Integration
Ismail Tipi kritisiert türkischen Minister für seine Begegnung mit Salafisten
Die Fotos des türkischen Jugend- und Sportministers Suat Kilic mit führenden Größen der salafistischen Szene, Herr Ibrahim Abou-Nagie (Initiator der Lies-Aktion), Herr Abu Dujana sowie Herr Abu Abdullah, in Köln nehme ich zum Anlass, um in einem offenen Brief an den türkischen Minister diesen scheinbar freundschaftlichen Umgang mit Extremisten deutlich zu rügen.

Den offenen Brief finden Sie im Anschluss: 

Sehr geehrter Herr Jugend- und Sportminister Suat Kilic, 
 
als integrationspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion in Hessen ist es mein oberstes Ziel, die Integration von Migranten erfolgreich zu gestalten, um eine Gesellschaft in Frieden und Freiheit zu ermöglichen.
 
Mit großem Befremden habe ich festgestellt, dass Sie sich bewusst oder unbewusst auf einer Veranstaltung in Köln mit radikalen Salafisten haben fotografieren lassen. Auf den Fotos kann man Sie sehen, wie Sie verschiedene Salafisten begrüßen und sich in freundschaftlicher Umarmung mit den führenden radikalsalafistischen Hasspredigern in Deutschland zeigen.
 
Hassprediger wie Herr Ibrahim Abou-Nagie, Herr Abu Dujana sowie Herr Abu Abdullah sind für eine Vielzahl von gravierenden, gesellschaftlichen Problemen verantwortlich, mit denen wir in Deutschland auf dem Gebiet der Integration zu kämpfen haben. Herr Abou-Nagie und seine Helfershelfer sind nachweislich in fundamentalistische und gewaltbereite Aktivitäten verstrickt, deren Ziel es ist, die öffentliche Ordnung in Deutschland zu beseitigen und den Menschen ihre persönliche Freiheit zu nehmen. Darüber hinaus haben diese Salafisten das Ziel, die deutsche Demokratie abzuschaffen und durch ein Scharia-System zu ersetzen. 
 
Es beunruhigt mich zutiefst, dass ein führender türkischer Politiker wie Sie, sich in der Nähe und in freundlicher Gesinnung zu diesen Hasspredigern zeigt. Die Personen, mit denen man Sie auf der Veranstaltung sieht, werden aus gutem Grund schon lange von unseren Sicherheits- und Verfassungsbehörden überwacht und als extrem gefährlich eingestuft. Sie gelten als große Gefahr für unsere demokratische Gesellschaft und unseren Rechtsstaat. Eine solche, womöglich freundschaftliche Verbindung zu Salafisten in Deutschland, hätte überaus negative Konsequenzen für die traditionell sehr guten diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei.
 
Ich gehe davon aus, dass ihnen nicht bewusst war, wer Ihnen in diesem Moment gegenüberstand. Ich erwarte und verlange allerdings eine öffentliche Klarstellung von Ihnen, dass Sie zu keiner Zeit radikalsalafistische Extremisten in welcher Form auch immer unterstützen oder unterstützt haben. Auf den Webseiten der Salafisten wird Ihr Foto als Propagandamaterial missbraucht und damit geprahlt, dass Sie die Ziele dieser Salafisten unterstützen und für gut befinden.
 
Der allergrößte Teil der türkischen Muslime in Deutschland möchten nicht, dass Hassprediger in ihren Gemeinden und Moscheen auftreten und die Gedanken unserer Kinder vergiften. Sie distanzieren sich deutlich von salafistischem Gedankengut. Es kann auch für die Türkei, als säkularem Staat nach dem Vorbild Atatürks, nicht das Ziel sein, Extremisten eine Plattform in der Öffentlichkeit zu bieten, ganz zu schweigen von unterstützenden Leistungen für Extremisten. 
 
Als Muslim, gebürtiger Türke und aktiver deutscher Landtagspolitiker sehe ich es als meine Pflicht an, unsere Heimat und ihre Bürger vor Extremisten wie Herrn Abou-Nagie zu schützen, so wie auch türkische Politiker sich gegen Extremisten jeglicher Art in der Türkei einsetzen.
 
Diesen Brief werde ich als offenen Brief auch an die Medien weiterleiten.
 
Im Sinne der deutsch-türkischen Freundschaft erhoffe ich mir eine umfassende Erklärung von Ihnen und verbleibe bis dahin

Hochachtungsvoll

Ihr

Ismail Tipi