Laut neuster Medienberichte wurden im Jahr 2020 158.477 Opfer von häuslicher Gewalt in Deutschland polizeilich erfasst. Damit ist die Zahl um sechs Prozent gegenüber 2019 gestiegen, zwei Drittel davon sind Frauen. Die Anzahl der Opfer häuslicher Gewalt ist nahezu in allen Bundesländern gestiegen.

„Gerade das Dunkelfeld ist hierbei relativ groß, sodass also nur ein geringer Teil der Übergriffe tatsächlich in Statistiken erfasst werden. Unter anderem liegt das auch daran, dass die Hemmschwelle, die Tat anzuzeigen, oft sehr groß ist“, zeigt sich der hessische Landtagsabgeordnete Ismail Tipi besorgt. „Gerade auch die Corona-Pandemie hat die Situation für viele Betroffenen verschlimmert. Es ist unsere Aufgabe und Pflicht, Frauen und Kindern bestmöglich vor häuslicher Gewalt und traumatisierenden Erfahrungen zu bewahren.“

Bedingt durch die Corona-Pandemie fehle den Frauen oft gänzlich ein Rückzugsort, um der Gewalt zu entfliehen. Besonders gefährlich sei es, dass deshalb Fälle häuslicher Gewalt besser verdeckt werden könnten, gerade auch, weil beispielsweise durch Schulschließungen und stark eingeschränkte soziale Kontakte wichtige Bezugspunkte fehlen und Verletzungen von Vertrauenspersonen deutlich schwieriger wahrgenommen werden können, so Tipi weiter.

„Durch Corona leben Opfer häuslicher Gewalt oft sehr isoliert und fühlen sich allein gelassen. Die Täter nutzen diese Situation auch ganz gezielt, um den Partner noch mehr zu kontrollieren. Sowohl soziale Kontrolle als auch Nachbarschaftshilfe können daher wichtige Bestandteile sein, denn der alltäglichen Gewalt kann oft mit kleinen Gesten Einhalt geboten werden. Wann immer jemand den Verdacht hegt, dass es zu Übergriffen, zu Gewalt gegen Frauen und Kinder kommen könnte, muss gehandelt werden. Wir dürfen die Frauen in dieser für sie äußerst schwierigen Situation nicht alleine lassen. Wir alle sind gefordert, Wachsam zu sein. Wir brauchen dringend eine verstärkte Kultur des Hinschauens und wir müssen uns hörbar gegen Gewalt an Frauen und Kindern stellen, auch um Betroffenen Mut zu machen, sich zu wehren und Hilfe zu suchen.“

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