Die Bundesanwaltschaft hat Anklage gegen fünf mutmaßliche Mitglieder einer deutschen IS-Zelle erhoben, die sich seit ihrer Festnahme in Untersuchungshaft befinden. Die tadschikischen Beschuldigten Farhodshoh K., Muhammadali G., Azizjon B., Sunatullokh K. und Komron B. sollen im Jahr 2019 Anschläge in Deutschland geplant haben. Hinzu kommen Verstöße gegen das Waffengesetz bei einem der Angeschuldigten. Azizjon B. stand seit 2017 im Kontakt zu zwei hochrangigen IS-Führungskadern in Afghanistan und soll unter deren Anweisung von Nordrhein-Westfalen aus über das Internet und ein Online-Netzwerk weltweit Anhänger radikalisiert und ideologisch geschult haben.

„Laut Generalbundesanwalt soll Azizjon B. auch in großem Umfang finanzielle Mittel eingeworben und neue Mitglieder rekrutiert haben. Durch eine eigens von ihm programmierte Handy-App wurden radikalislamistische Ideologien verbreitet. In dieses Netzwerk soll auch der Attentäter, der im Jahr 2017 in der Innenstadt Stockholms einen Anschlag mit einem Lastkraftwagen verübte, wobei vier Menschen starben, eingebunden gewesen sein. Das macht einmal mehr deutlich, wie diese Netzwerke funktionieren und wie gefährlich sie sind, weit über die eigenen Landesgrenzen hinaus“, mahnt der Landtagsabgeordnete Ismail Tipi, der sich schon seit Jahren für den Kampf gegen den radikalen Islamismus einsetzt.

Aus den Anwerbungen von Azizjon B. in Deutschland gründete sich eine Terrorzelle der Vereinigung Anfang 2019 in Nordrhein-Westfalen. Ziel war es, unter Anleitung hochrangiger IS-Führern aus Syrien und Afghanistan, den bewaffneten Kampf gegen aus ihrer Sicht „Ungläubige“ aufzunehmen und in Deutschland Anschläge zu begehen. Sie besaßen bereits Schusswaffen und Bombenbauanleitungen und wollten unter anderem einen Islamkritiker aus Neuss töten. Nach neusten Erkenntnissen war diese Terrorzelle auch vernetzt mit dem Umfeld des IS-Attentäters, der in Wien im letztem Jahr bei einem Anschlag vier Menschen erschoss und mehr als 20 weitere verletzte.

Anfang 2019 waren die Anschlagsplanungen der Terrorzelle aufgeflogen und zwei Mitglieder wurden festgenommen. Danach sah dann die Terrorzelle von weiteren Anschlagsplanungen ab und konzentriert sich darauf, junge Muslime in Deutschland zu rekrutieren und zu radikalisieren sowie den IS auch finanziell zu unterstützen. Der Angeschuldigte Farhodshoh K. veranlasste dazu zahlreiche Geldsammlungen in Deutschland.

„Die Festnahmen in 2019 und im letzten Jahr sowie die Anklageerhebung machen deutlich, dass die Sicherheitsbehörden sehr wachsam sind. Durch ihre Arbeit konnte der geplante Anschlag auf den Islamkritiker damals verhindert und das Netzwerk aufgedeckt werden. Es macht aber auch deutlich, wie groß noch immer die Gefahr ist, die von radikalen Islamisten und IS-Anhängern ausgeht. Über Netzwerke stehen sie eng in Kontakt, radikalisieren immer weiter junge Menschen für ihre Zwecke und schrecken vor nichts zurück. Wir haben es hier nicht mit Einzeltätern im klassischen Sinne zu tun. Wie sich an diesen Fällen zeigt, steckt ein Netzwerk von Dschihadisten dahinter, die immer mehr Menschen davon überzeugen wollen, sich für den IS, die Scharia und Dschihad zu opfern. Die Vernetzung mit Attentäter aus anderen Ländern macht außerdem klar, dass eine enge und gute Zusammenarbeit auf europäischer Ebene gegen den internationalen Terrorismus unbedingt erforderlich ist. Wir müssen die Bedrohung ernst nehmen, die von IS-Anhängern ausgeht, müssen ihre Netzwerke zerschlagen und auch ihre Geldquellen zum Versiegen bringen“, so Tipi abschließend.

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