Am 19. Februar 2020 ermordete ein 43-jähriger Hanauer neun Menschen in der Hanauer Innenstadt, allesamt mit Migrationshintergrund. Anschließend ermordete er seine Mutter und schließlich sich selbst. „Heute gedenken wir den Opfern von Hanau, voller Trauer, voller Fassungslosigkeit und voller Entschlossenheit, gegen alle rassistischen und ausländerfeindlichen Motivationen anzukämpfen“, erklärte der Hessische Landtagsabgeordnete Ismail Tipi.

„Dieser Tag hat sich rabenschwarz in unser aller Gedächtnis eingebrannt. Ich erinnere mich noch ganz genau an das Entsetzen, dass ich am Tag nach der Tat überall in Hanau gespürt habe, ganz besonderes bei den Gesprächen mit Augenzeugen und Angehörigen der Opfer vor Ort in Hanau“, erinnert sich Ismail Tipi. Der türkischstämmige Landtagsabgeordnete, dessen Wahlkreis unmittelbar an die Brüder-Grimm-Stadt angrenzt, war am Folgetag der Bluttat von Hanau in der Stadt unterwegs und hat dort mit Hinterbliebenen gesprochen sowie an der Mahnwache auf dem Marktplatz teilgenommen.

„Diese Tat ist unvergessen. Heute, ein Jahr später, sitzt die Trauer bei uns allen tief. Der Täter, Tobias R., hat voller Hass wahllos Menschen mit Migrationshintergrund in und vor zwei Shisha-Bars, einem Kiosk und einer weiteren Bar erschossen. Heute wissen wir um die zutiefst verwerflichen rassistischen Motive des Täters und verurteilen diese auf das Allerschärfste. Wir stehen gemeinsam mit den Hinterbliebenen, Freunden und Angehörigen der neun Opfer. Angesichts der Unbegreiflichkeit dieser Tat bleibt uns nur, ihnen in ihrer Trauer beizustehen, sie zu trösten und ihnen unser offenes Ohr zu schenken. Den Schmerz um den Verlust von Ferhat Unvar, Mercedes Kierpacz, Sedat Gürbüz, Gökhan Gültekin, Hamza Kurtović, Kaloyan Velkov, Vili Viorel Păun, Said Nesar Hashemi und Fatih Saraçoğlu werden wir nicht eliminieren können. Doch wir werden in ihrem Namen für Weltoffenheit, Toleranz, Friedfertigkeit und gelebtes Miteinander eintreten. Dafür steht Hanau und dafür steht Hessen. Mit aller Entschlossenheit werden wir Hass und Hetze bekämpfen. Mit aller Entschiedenheit müssen wir mutig den stumpfen Parolen von Ausländerfeindlichkeit entgegentreten und für eine freie und in Vielfalt geeinte Gesellschaft kämpfen. Gerade dieser Pluralismus ist eine große Chance für ein lebendiges und vielfältiges demokratisches Gemeinwesen. Dieses zu verteidigen schulden wir den Opfern von Hanau. Tag für Tag, ganz besonders heute am Jahrestag dieses furchtbaren Anschlags.“

Die Hessische Landesregierung wird heute bei einer feierlichen Gedenkstunde an die neun Opfer der Tat erinnern. Die Veranstaltung findet unter Beachtung aller Beschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie im Congress Park Hanau mit rund 50 geladenen Gästen statt. Darunter werden unter anderem auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Rudi Völler als Ehrenbürger der Stadt Hanau sein. Die Familien der Opfer sind jeweils mit Begleitpersonen eingeladen. Der Ministerpräsident betonte, dass es auch in Zeiten der Pandemie von größter Bedeutung sei, ein angemessenes Gedenken der Opfer zu ermöglichen.

Im ganzen Land wurde Trauerbeflaggung angeordnet. Damit will die Landesregierung zum Ausdruck bringen, dass dieser Tag für alle Bürgerinnen und Bürger in Hessen ein besonderer Tag der Erinnerung und des Gedenkens ist.

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