Im nordrhein-westfälischen Hagen hat es Drohungen gegen die dortige Synagoge gegeben. Gestern wurde daher ein Gottesdienst zu Jom Kippur kurzfristig abgesagt. Die Polizei war wegen der „möglichen Gefährdungslage“ mit einem Großaufgebot vor Ort, um das Gebiet zu sichern. In der Nacht konnte dann Entwarnung gegeben werden. Im Zusammenhang mit den Drohungen kam es laut Medienberichten mittlerweile zur Durchsuchung mehrerer Objekte und zu vier Festnahmen. Die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf hat die Ermittlungen übernommen.

„Natürlich denkt man in so einem Moment an den furchtbaren Terroranschlag in Halle vor zwei Jahren, bei dem ein bewaffneter Rechtsextremist versucht hat, gewaltsam in eine Synagoge einzudringen und danach zwei Menschen tötete sowie zwei weitere auf der Flucht verletzte. Der Einsatz der Polizei in Hagen zeigt aber, dass wir höchst wachsam sind, gerade an solch einem wichtigen Feiertag für die jüdische Gemeinde und alles dafür tun, damit es nicht wieder zu einem Anschlag kommt“, so der hessische Landespolitiker Ismail Tipi.

Ein Polizeisprecher sagte, dass eine akute Gefährdung für Personen nicht vorgelegen habe und das Gebäude weiter überwacht wird. Hinweise auf die Gefährdung anderer jüdischer Gemeinden in Nordrhein-Westfalen lägen derzeit nicht vor. Der Innenminister von Nordrhein-Westfalen, Herbert Reul sprach von einer ernsten extremistischen Bedrohung und bestätigte, dass ein Jugendlicher festgenommen wurde. Es heißt in Sicherheitskreisen, dass auch ein islamistischer Hintergrund in diesem Zusammenhang untersucht werde.

„Solche Hinweise müssen wir sehr ernst nehmen und ihnen in allen Richtungen nachgehen. Hier dürfen wir nicht fahrlässig sein. Es ist ein gutes Zeichen und es spricht für die gute Arbeit der Polizei, dass sie sofort reagiert hat und damit möglicherweise schlimmeres verhindern konnte. Jetzt gilt es die Hintergründe genau zu untersuchen“, so Tipi weiter.

„Es ist bestürzend, dass die jüdische Gemeinde Jom Kippur, den höchsten jüdischen Feiertag, nicht friedlich und in Ruhe feiern konnte. Verständlicherweise sind sie jetzt auch in Sorge, da sie einer solchen Bedrohungslage ausgesetzt waren“, so Tipi und sagte abschließend: „Wir müssen alles daran setzen, um die Menschen zu schützen und dafür zu sorgen, dass diejenigen, die für diese Bedrohung verantwortlich sind, zur Rechenschaft gezogen werden. Niemand darf sich auf Grund seiner Religion diskriminiert oder benachteiligt fühlen. Es geht jeden einzelnen von uns etwas an, wenn Strömungen und Radikalgesinnte einen Keil in unsere Gesellschaft treiben möchten. Dem müssen wir als Gesellschaft gemeinsam entschieden und entschlossen entgegentreten.“

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