
Nach dem grausamen Mordanschlag auf den Französischen Geschichtslehrer Samuel Paty hat Frankreichs Bildungsminister Jean-Michel Blanquer zum verschärften Kampf gegen Extremismus aufgerufen. Zudem regte er eine europaweite Schweigeminute in den Schulen am kommenden Montag an, an der sich auch Hessen beteiligen wird.
Mit der Schweigeminute soll dem Französischen Geschichtslehrer Samuel Paty gedacht werden, der vor zwei Wochen zum Opfer eines islamistischen Terroranschlags wurde. Am 16. Oktober war der 47-jährige in einem Pariser Vorort ermordet worden, nachdem er zuvor in seiner Schule über das Recht auf Meinungsfreiheit diskutiert und Mohammed-Karikaturen aus der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ gezeigt hatte. Paty ist dadurch für viele zum Vorbild geworden, das für unsere europäischen und demokratischen Werte eingetreten ist, die Freiheit auch gegen Widersprüche zu verteidigen und den offenen Diskurs in gegenseitigem Respekt zu suchen. Hierfür wurde er unter anderem von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron gewürdigt. Mit der Schweigeminute am kommenden Montag soll nicht nur der Persönlichkeit Patys gedacht werden, sondern vor allem auch der Ideale für die er eingetreten ist. Die Schweigeminute soll um 11.15 Uhr beginnen.
Ismail Tipi, Hessische Landtagsabgeordneter und Experte für den Kampf gegen Islamismus und Salafismus, begrüßte den Vorschlag einer europaweiten Schweigeminute ausdrücklich: „Ich rufe alle Schulen auf, hieran mitzuwirken. Hierdurch wird die Chance geboten, über unserer Werte ins Gespräch zu kommen, den Wert der Freiheiten, die wir alle genießen, zu beleuchten. Ich lade aller Lehrer ein, dies mit ihren Schülern zu hinterfragen. Wir müssen klar machen, dass Demokratie, Meinungs- und Pressefreiheit keineswegs selbstverständlich sind, sondern immer wieder neu erkämpft werden müssen. Das gilt insbesondere angesichts der zahlreichen Bedrohungen durch Extremisten politischer, religiöser oder sonstiger Natur, derer unsere Demokratie ausgesetzt ist.“
Ismail Tipi wies weiterhin auf seine Forderung nach einem Kopftuchverbot für junge Mädchen unter 14 Jahren in Kindergärten und Schule hin: „Es gilt die Neutralität dieser Orte des Lernens zu wahren und zugleich die jungen Mädchen und ihre persönliche Entwicklungsfreiheit zu schützen“, erklärte der Abgeordnete. „Unsere Gesetze sehen eine Religionsmündigkeit erst im Alter von vierzehn Jahren vor. Zuvor müssen wir die Mädchen davor schützen, dass ihnen ein Kopftuch von ihren Eltern aufgezwungen wird. Zudem würden wir mit einem entsprechenden Verbot auch sozialen Spannungen vorbeugen: Die Unterschiede zwischen laizistisch-westlich gesinnten und fundamentalistisch-konservativ gesinnten Muslimen wären somit auf dem Schulhof nicht mehr direkt äußerlich erkennbar und bergen somit weniger Spaltungspotenzial. Dadurch könnte ein wichtiger Beitrag für ein gutes Lernklima und den Erhalt des Klassenfriedens geleistet werden. Die Gedenkminute für Samuel Paty könnte Anlass geben den Wert von Freiheit und Neutralität neu zu beleuchten und vor diesem Hintergrund auch meine Forderung nach einem Kopftuchverbot für junge Mädchen unter 14 Jahren neu zu beurteilen.“
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